Der Hof auf dem Bildung Spass macht

"Den Menschen die Landwirtschaft näher zu bringen ist eine bombige Aufgabe", fand Umweltminister Dr. Marcel Huber bei seinem Besuch auf dem Seiml-Hof im Obinger Ortsteil Ilzham. Die Leute hätten sich mittlerweile - und das nicht nur in den Großstädten - zu weit von der Landwirtschaft entfernt und deshalb keinen Bezug mehr zur Entstehung der Lebensmittel. Damit fehle dann auch oft die Wertschätzung für gesunde Ernährung und die Leistung der Landwirte.



Umweltminister Dr.Marcel Huber trat auf dem Energierad selbst in die Pedale und erfuhr, welcher Kraftaufwand nötig ist, um das Lamperl leuchten zu lassen. Bürgermeister Hans Thurner (links) und Thomas Mitterer (rechts) unterstützten den Minister moralisch. Foto Auer

Obing - Beim Tag der offenen Tür auf dem Chiemgauer Schulbauernhof beim Seiml in Ilzham hatten die zahlreichen Besucher die Möglichkeit, sich über die dort gebotenen umweltpädagogischen Bildungsangebote sowie über ökologischen Landbau umfassend zu informieren und bei einer Führung den Hof von Thomas Mitterer etwas genauer kennenzulernen.

Kaum einer wisse mehr, wie viel Mühe hinter der Produktion von Nahrungsmitteln stecke, stellte Umweltminister Dr.Marcel Huber bei seinem Besuch fest. Der Seiml-Hof habe es sich zur Aufgabe gemacht, in vielen Projekten Landwirtschaft praktisch und ökologisch wertvoll für Kinder erlebbar zu machen und das sei der beste Ansatz überhaupt. Denn die Kinder brächten ihre Eindrücke mit nach Hause und stellten ihren Eltern auch wichtige Fragen.

In den vergangenen Jahren seien schon einige vom Umweltministerium unterstützte Projekte wie beispielsweise "Die Hecke" oder auch "nachhaltige Ernährung" erfolgreich weiterentwickelt worden, fand der Minister, der sich noch gut an seinen Besuch vor drei Jahren erinnern konnte. Damals hatte der studierte Tierarzt die Ärmel aufgekrempelt und sich spontan als Geburtshelfer für Kälbchen "Marcel" betätigt.

Mit der Erweiterung von Energieprojekten würden nun Umweltaspekte und die Probleme der Energiewende greifbar gemacht, lobte Huber. Auf einem Energie-Fahrrad konnte der Minister dann auch gleich fest in die Pedale treten und testen, wie viel Muskelkraft es braucht, bis eine Spannung von zwölf bis 15 Volt entsteht. Erst dann wollte das Lamperl nämlich leuchten. Wobei auch deutlich spürbar war, dass die Energiesparlampe doch weit weniger "Muckis" braucht, als die Glühbirne.

Um das Thema "Energie" noch weiter in den Mittelpunkt zu rücken, soll, laut Thomas Mitterer, auf dem Seiml-Hof in ein Energie-Bildungszentrum entstehen, das sich an sieben Stationen mit den Themen Stromerzeugung und Stromsparen befasst. Dazu haben auch bereits erste Vorgespräche über eine Zusammenarbeit mit der FH Rosenheim stattgefunden.

Schon jetzt können die Besucher am Beispiel des von Kindern erbauten autarken Hühnerhauses erleben, was es heißt unabhängig zu sein. Die Wasserversorgung ist hier vom eigenen Brunnen, die komplette Energieversorgung erfolgt durch Fotovoltaik mit einer Blei-Säure-Batterie als Stromspeicher. In den weiteren, geplanten Stationen können die Kinder dann beispielsweise erfahren, welcher Kraftaufwand zur Stromerzeugung notwendig ist, Speichermöglichkeiten kennenlernen und so dann ihren mit dem Energiefahrrad selbst erzeugten Strom für ihre Abschlussfeier nutzen.

Auf einem Wasser- und Solarspielplatz kann dann auf spielerische Weise entdeckt werden, wie viel Kraft in Sonne und Wasser stecken. An einem Energiesparpoint sollen dann abschließend das eigene Verhalten reflektiert und Einsparmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Bei einem Rundgang konnten die Besucher unter anderem auch den Lehr- und Erlebnispfad rund um den Seiml-Hof kennenlernen, der den Kindern eine lehrreiche Erfahrung mit der Natur und der Landwirtschaft gewährt und den Lernstoff mit einer modernen Schnitzeljagd mittels GPS-Geräten auch spanend macht. Nicht umsonst hat der Chiemgauer Schulbauernhof in den vergangenen Jahren beinahe alle Auszeichnungen eingeheimst, die das Umweltministerium zu vergeben hat und darauf ist Thomas Mitterer auch stolz.

Seit 2004 seien die Übernachtungen auf dem Seiml-Hof von 400 auf rund 10000 im Jahr 2013 gestiegen. Das sei das Ergebnis von viel Arbeit und Ideen. Die Gewinne würden zu hundert Prozent in neue umweltbildende Projekte investiert, betonte Mitterer. Mit verschiedenen Angeboten sollen dann künftig nicht nur die Kinder sondern auch ihre Eltern den Seiml-Hof, der mittlerweile nahezu autark sei, kennenlernen und wertvolle Anregungen mit nach Hause nehmen.

"Auf dem Schulbauernhof Seiml-Hof lernen Kinder, wie eine nachhaltige Landwirtschaft aussieht" fand auch Walter Heinzmann von Bioland, der sich in einem Vortrag mit der Zukunft der Agrarwirtschaft und ihren offenen Fragen befasste. "Der Seiml-Hof leistet mit seiner Arbeit einen essentiellen Beitrag für unsere Zukunft", fand Heinzmann.

Artikel erschienen auf www.ovb-online.de am 13.05.2013